Selbsterkenntnis - Wahr - nehmen, was ist, sehen, wo ich stehe, spüren, wie ich wirke
Shownotes
Ein spannendes Thema: Selbsterkenntnis.
Und es ist auch ein zutiefst spirituelles Thema.
Der Anfang des spirituellen Lebens ist die Selbsterkenntnis.
Für Theresa von Avila ist die Selbsterkenntnis eine wesentliche Voraussetzung, um Gott zu erfahren und mit dem Himmel in Berührung zu kommen.
»Es ist absurd zu glauben, wir könnten den Himmel betreten, ohne zuerst unsere Seelen zu betreten« sagt sie.
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00:00:24: Klosterflüstern.
00:00:26: Willkommen zum Podcast aus dem Klosterz Rübeck.
00:00:29: Mein Name ist Stefan Wohlfahrt und ich versuche auch mit dieser Folge, meine Hörer anzuregen und neugierig zu machen auf das, was für mich christliches Spiritualität heilsam und sinnstiftend macht.
00:00:43: Heute.
00:00:45: Selbsterkenntnis Wahrnehm, was ist.
00:00:49: Sehen, wo ich stehe.
00:00:51: Spüren, wie ich wirke.
00:00:55: Vor einiger Zeit in einem Seminar, eine Frau, die sich ständig schlecht bahndet fühlte, immer benamen sich die anderen schlecht, grenzten sie aus.
00:01:04: Selbst ein Freundliches auf sie zugehen, konnte sie nur als Afron gegen sich umdeuten.
00:01:12: Oder der Mann, der alles dominieren und sich in penetranter Weise in Szene setzen musste, so das andere sich zurückzogen.
00:01:21: Etwas mehr Selbsterkenntnis könnte da nicht schaden.
00:01:25: Dachte ich.
00:01:27: Zugleich spüre ich dann Vorsicht.
00:01:30: Du bewegst dich auf dünnem Eis, wie es es um deine eigene Selbstwahrnehmung bestellt.
00:01:38: Das Leben und besonders auch meine Frau und Kinder haben mir da schon oft für manches, teilweise auch Schmerzliches, die Augen geöffnet auf meinem Weg.
00:01:50: Da gibt es immer noch einiges zu entdecken, was meine Beziehungsfähigkeit gelindegesagt beeinträchtigt.
00:01:58: Manches merke ich inzwischen auch schon, doch oft erst, wenn es rausgerutscht ist.
00:02:04: Ich habe mal wieder jemanden nicht ausreden lassen, weil es mich so drängte, meinen Semf dazugeben.
00:02:10: Ich habe ein Gespräch dominiert, zu viel von mir erzählt und dem anderen zu wenig Raum gegeben.
00:02:16: Ich habe bei der Kritik sofort dagegen gehalten, statt erst mal innezuhalten.
00:02:25: Immer wieder stoßen wir auf Menschen und denken uns, Mensch, merken die denn nicht, wie sie wirken?
00:02:32: Merke ich immer, wie ich wirke?
00:02:36: Deshalb ist es ein spannendes Thema.
00:02:39: Selbsterkenntnis, Wahrnehmen, was ist, sehen, wo ich stehe, spüren, wie ich wirke.
00:02:46: Und es ist auch ein zutiefst spirituelles Thema.
00:02:51: Der Anfang des spirituellen Lebens ist die Selbsterkenntnis.
00:02:56: Für Jesus war das ein großes Thema.
00:03:00: Wer erinnert sich, da gab es doch diese Vergleiche.
00:03:04: Was siehst du?
00:03:04: den Splitter im Auge des anderen, aber nimmst nicht wahr, den Balken, war das Brett vor dem eigenen Kopf?
00:03:14: Und wie, wir über andere Orteilen und richten, auch darum ging es Jesus.
00:03:19: Er sagt, richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, denn wie ihr richtet?
00:03:24: So werdet ihr gerichtet werden und mit dem Maß, mit dem ihr mest, wird euch zugemessen werden.
00:03:32: Zu denen, die eine frauwegen Ehebruch steinigen wollten, sagt Jesus, wer unter euch ohne Sünde ist, wer für den ersten Stein auf die Frau.
00:03:44: Immer geht es Jesus darum, dass wir innehalten, in uns gehen, um dann zu handeln.
00:03:52: Manche Menschen schaffen es ziemlich lange, unreflektiert durch die Welt zu laufen, auch wenn das ständig Beziehungsunfälle produziert und der eigenen Beliebtheit sicherlich auch nicht zuträglich ist.
00:04:05: Ja, aber woher kommt die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis?
00:04:12: Eine gute Erziehung mit guten Vorbildern ist da sicher nicht unerheblich und hilfreich.
00:04:19: Viel lehrt uns auch die Lebenserfahrung.
00:04:22: Auch die schmerzhaften Dinge.
00:04:24: Das heißt, wenn ich bereit bin, aus schmerzlichen Erfahrungen und Fehlern zu lernen.
00:04:30: Oder wenn ich mir von anderen helfen lasse, die mich begleiten und korrigieren, wenn ich mir etwas sagen lasse.
00:04:40: Für Teresa von Avila ist die Selbsterkenntnis eine wesentliche Voraussetzung, um Gott zu erfahren und um mit dem Himmel in Berührung zu kommen.
00:04:50: Sie sagt, Es ist absurd zu glauben, wir könnten den Himmel betreten, ohne zuerst unsere Seelen zu betreten.
00:04:59: Und dann gibt sie gleich noch einen Hinweis, wo man sich auf die Spur kommen kann.
00:05:05: Muss man denn Flügel haben, um auf die Suche nach sich selbst zu gehen?
00:05:10: Man braucht sich nur in die Einsamkeit zu begeben.
00:05:16: Einsamkeit und stille sind wesentliche Orte der Selbsterkenntnis.
00:05:21: Wir kommen noch darauf.
00:05:24: Cyprian, der frühchristliche Heilige aus dem zweiten Jahrhundert, sagt, wer zu Gott flüchtet und nicht bei sich selbst war, ist ein Fliehender und kein Weiser.
00:05:38: Der Weg zu Gott führt also immer über die Selbsterkenntnis.
00:05:43: Christlicher Glaube verkümmert ohne Erdung in einer gesunden Demut, einer Selbstwahrnehmung.
00:05:51: Und demut ist letztendlich nichts anderes als eine realistische Selbstverordnung.
00:05:58: Demut, lateinig umulitas, kommt von Humus Erde.
00:06:03: Wer gut geerdet ist, spürt sich besser, auch indem was er tut und wie er wirkt, heißt Bodenhaftung.
00:06:13: Ein schönen Gedanken fand ich bei Martin Schleske.
00:06:17: Ware Selbsterkenntnis kann nur aus einer Wahrheit kommen.
00:06:22: die uns Widerstand leistet.
00:06:25: Tut sie das nicht?
00:06:27: Was ist sie wert?
00:06:29: Ich denke, das ist das Geheimnis der Bibel.
00:06:32: Sie schenkt uns Selbsterkenntnis, weil sie uns Widerstand leistet.
00:06:42: Ja, also die Bibel als ein Buch, das uns nicht nach dem Mund redet, sondern auch mal gegen den Strich birstet.
00:06:51: Ein Spruch aus dem Thomas Evangelium sagt, Wenn ihr euch selbst erkennt, wird Gott euch erkennen.
00:07:02: Wir leben ja in Zeiten, wo der Kampf um die Wahrheit erbittert er denn je tobt.
00:07:10: Wer hat Recht?
00:07:11: Wer hat die Deutungshoheit?
00:07:14: So viele dieser behaupteten Wahrheiten strotzen von Lüge, weil dahinter nur Anmasung, viel manipulatives Ego und Eigenutze stehen.
00:07:25: Wahrheit?
00:07:27: hat von der Bibel her und für Jesus immer etwas mit Selbsterkenntnis zu tun und mit Beziehungsfähigkeit.
00:07:34: Abstrakte Wahrheiten und Formeln, was richtig und falsch ist, kennt die Bibel nicht.
00:07:39: Was die Bibel zum Thema Wahrheit sagt, ist ein eigenes interessantes Thema.
00:07:46: Jesus konnte in scheinbar maßloser Anmaßung von sich sagen, ich bin der Weg, der in die Wahrheit und das Leben führt.
00:07:58: Er konnte das sagen, weil er ein ganz und gar geerdeter Mensch war, lernt von mir, sagt er, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.
00:08:10: Er hat die ersten dreißig Jahre seines Lebens ohne Aufhebens zurückgezogen, bodenständig als Handwerker gelebt.
00:08:19: Und dann hat er sich von Johannes dem Täufer taufen lassen und ist für vierzig Tage in die Wüste gegangen.
00:08:27: Und diese Grenzerfahrung hat ihn sich seiner selbst bewusst gemacht, auch der eigenen Versuchbarkeit.
00:08:35: Da gab es da auch die drei Versuchungen mit dem Angebot, ja man könnte sagen zum Überflieger, zum Alleskönner zu werden.
00:08:43: Er hat ihm widerstanden und blieb geerdet und damit im Himmel verbunden.
00:08:51: Die Wüste war bereits im ersten Testament Ort der Leuterung und Erkenntnis für das Wanderende Gottesvolk.
00:08:59: und sie ist zum Symbol für die Notwendigkeit von Stille und Rückzug geworden.
00:09:06: Nachdem die ersten Christen nach vielen Verfolgungswellen im vierten Jahrhundert auf einmal ja sowas wie zur Leitkultur und Herrschaftsklasse gehörten, ging die Waren, Frommen wieder in die Wüste.
00:09:20: Sie wollten einen klaren Blick und Erdung bewahren in all dem Rausch, um das plötzliche Ansehen und die Geltung, die die Kirche bekamen.
00:09:30: Selbsterkennnis war für sie der Durchgang zu Gott, war ein zentrales Ziel, erreicht durch ein einfaches Leben, ständiges Gebet, einfache Arbeit und die Abkehr von weltlichen Bindung, um Gott näher zu kommen.
00:09:46: Es ging ihnen darum, die eigene Wüste der Achtlosigkeit zu überwinden.
00:09:53: In der Einsamkeit und Stille kommt es unweigerlich zur Konfrontation mit sich selbst.
00:10:01: Wüste ist in der Spiritualität eine Schiffere, ein Symbol für Zeiten der Einkehr und Stille.
00:10:09: Und viele Menschen haben erkannt, die Seele braucht Wüstenzeiten, um Klarheit zu gewinnen, um Raum zu schaffen, um Lasten abzulegen, um sich selbst auf den Grund zu gehen.
00:10:23: Ich selbst gehe schon seit über fünfzehn Jahren für zehn Tage im Jahr mit dem Herzensgebet in die Stille.
00:10:33: und versuche, sonst alltäglich für mich ein Raum für stille Ungebet zu reservieren.
00:10:40: Und gerade diese mehrtägigen stille Zeiten, dort bin ich mir selbst ausgesetzt wie sonst nirgends, und ich nehme Dinge an mir wahr, die ich im Alltag nicht bemerke.
00:10:53: Ich nehme wahr, wie viel Härte, ja auch Aggression, auch gegen mich selbst, ungute Muster und Dunkelheit in mir sind.
00:11:03: Das zu erkennen, mir einzugestehen, ist der erste Schritt der Heilung und des Wachstums.
00:11:11: Indem ich meine Schatten zulasse, ins Licht Gottesstelle, sie wahrnehme und zugebe, kann ich sie Gott überlassen.
00:11:21: Und es heißt ja so schön, in einem Lied aus TC Christus dein Licht verklärt unsere Schatten.
00:11:30: Die frühen Menschen, Mönche sind skeptisch, wenn einer meint, ohne wirklich zur Selbsterkenntnis Gott finden zu können.
00:11:39: Sie glauben, dass wir dann bei den eigenen Projektionen hängen bleiben und nie den wirklichen Gott erkennen können.
00:11:45: Sie waren vor der Gefahr, dass man die eigene Wirklichkeit überspringt und letztlich ins Leere springt.
00:11:54: Die eigene Realität ist der Boden, von dem aus wird zu Gott gelangen und das Leben in Fülle kosten.
00:12:01: Selbsterkenntnis ist eine wesentliche Tür.
00:12:05: nicht nur zu gelingenden Beziehungen, sondern auch zu Gott.
00:12:10: Gebet und Stille, da waren wir schon, sind ein furchtbarer Weg der Selbsterkenntnis.
00:12:19: Im Ebrechen kommt übrigens das Wort für Gebet von dem Verb Richten entscheiden und bedeutet im eigentlichen Wortsinn, ja, über sich zu richten, zu urteilen, zu entscheiden.
00:12:33: Und der Begriff kennzeichnet ein inneres Streben, einen klaren Blick über sich zu erhalten.
00:12:41: In der Stille kann sich etwas klären.
00:12:44: Der Brunnen der Seele kommt zur Ruhe, ich sehe mich in seinem Spiegel.
00:12:49: Ich komme mir mehr und mehr auf den Grund, ich komme meinen Mustern und Prägungen auf die Spur und gehe nicht länger auf den Leim.
00:12:58: Ich kann beziehungsfähiger werden, weil ich nicht mehr in die ewig gleichen Reaktionsmuster stolpe.
00:13:05: Ich werde ein Sehender für das, was ich Würge bin und tue, auch wenn ich in Demut weiß, dass zuletzt nur Gott mein Herz kennt und wandeln kann.
00:13:16: Doch Gott ist größer als unser Herz, heißt es im ersten Johannesbrief.
00:13:20: In seinem Abarm bin ich mit all meiner Gebrochenheit und Anfälligkeit geborgen und kann wachsen, immer dem Licht zu, unter seinem Licht.
00:13:34: Du hättest noch ein schöner Satz des Kontemplationslehrers John Main.
00:13:42: Es ist Paradox, dass wir uns selbst zum ersten Mal erkennen, weil wir uns in Gott verlieren.
00:13:51: Sag doch, Jesus im Evangelium, wer sein Leben um seine Twillen verliert, wird es gewinnen.
00:13:59: Also, die tiefste Erkenntnis unserer selbst geschieht.
00:14:05: Wenn wir uns zu Gott hin loslassen, uns unter sein erhellendes Licht stellen, dann öffnet sich der Blick auf unser Haareselbst und auf unsere Bestimmung.
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