Bring ein weinig Wüste in dein Leben - Wüste als Klangraum Gottes

Shownotes

Zum Thema Wüste sind besonders die Bücher von Carlo Caretto eine wahre Fundgrube, auch auf das Wüstentagebuch "Lebensspuren im Sand" von Andreas Knapp möchte ich verweisen.

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00:00:23: Klosterflüstern.

00:00:25: Willkommen zum Podcast aus dem Kloster Trübeck.

00:00:29: Mein Name ist Stefan Wohlfahrt und auch mit dieser Folge versuche ich, meine Hörer anzuregen und neugierig zu machen auf das was für mich christliches Pyrothalität spannend heilsam und sinnstiftend macht.

00:00:44: Heute bring ein wenig Wüste in dein Leben die Wüsten als Klangraum Gottes.

00:00:57: Das Thema Wüste passt ja gerade zu den Hitze-Rekorden in diesem Sommer, aber mir geht es heute um eine Erfahrung bei der Wüse mehr ist als Hitz und Trockenheit.

00:01:08: Es gibt zwei Gründe mich damit zu befassen.

00:01:12: Einmal – Wüster als Thema hat mich schon immer fasziniert – Wüsste deckt so ein weites Bedeutungsfeld ab das vom geografischen Ort von der Landschaft hin zum Rückzug an Orte, der Einkehr und Zeiten des Schweigens reicht.

00:01:31: Wüste kann auch als Metapher für eine innere Erfahrung stehen.

00:01:37: Und dann?

00:01:39: In den letzten Jahren hatte ich die Möglichkeit, Wüse eben auch als Landschaft tatsächlich zu erleben.

00:01:46: Eine Freundin aus der Gemeinschaft, zu der ich gehöre hat mich mitgenommen in die marokkanische Sahara wo wir mit Berbern und Kamelen unterwegs waren und davor konnte ich zweimal bei reisen in Israel die judäische Felsenwüste durchwandern.

00:02:05: Wüste steht erst mal für einen extrem trockenen Ort, für ein Gebiet, in dem kaum oder keine Pflanzen wachsen – ein Ort voller Karkheit aber auch ein Ort mit viel Licht.

00:02:21: Trotz ihrer lebensfeindlichen Trockenheit kann die Wüse von geradezu betörender Schönheit

00:02:27: sein.".

00:02:29: Wenn die Sanddühnen mit ihren feinen Mustern im Abendlicht leuchen, und immer wieder bricht sich das Licht anders in den feinen Strukturen der Dünen und der Landschaft.

00:02:41: Ein großes Staun erfasst mich wenn ich eine Nacht unter dem unfassbar klarleuchtenden Sternenhimmel liege….

00:02:50: Und in ihrer Karkheit fokussiert mich die Wüste – selbst als wenige Leben erscheint irgendwie verdichtet!

00:02:58: Und die meisten Pflanzen, die dort wachsen.

00:03:00: Die Duften, Pinien und Aloys überleben dort.

00:03:04: der Geruch ihrer Blätter zwischen den Fingern zerrieben, dass das Parfüm der Wüste destilliert zu einer Quintessenz verfeinert durch den Mangel an Wasser.

00:03:18: Als ich eine Woche lang die marokkanische Wüse durchzog wurde ich überrascht von dieser Wucht aus stille Karkheit und Schönheit So wie der Himmel rein und unberührt erschien, völlig ohne Kondensstreifen.

00:03:32: Und in der Nacht standen klar – so empfand ich auch meine Zeit dort als ein Weg der Reinigung.

00:03:42: Unsere Führerin machte zur Bedingung dass wir am Beginn des Weges unseres Smartphones abgeben.

00:03:48: Empfang hat man ja doch sowieso nicht!

00:03:50: Trotzdem war das für viele eine große Hürde wenn man wollte ja schöne Bilder machen.

00:03:55: Ausging eben darum keine Fotos zu machen innere Bilder entstehen zu lassen und die Äußeren direkt wirken zu lassen, ohne sie abzulenken.

00:04:07: An jeden Morgen begrüßen wir auf der Düne die Sonne mit Gesang – und am Abend verabschiedeten wir sie ebenso.

00:04:16: Und in jede Nacht gingen wir mit dem Teilen unserer Eindrücke und den Teilen von Brot und Wein in der Feier des Heiligen Mahles.

00:04:27: Die karke Schönheit, die uns umgab legte Sendefrequenzen frei, die sonst im Geräuschpegel des Alltags unhörbar bleiben.

00:04:37: Oft herrschte eine geradezu dröhnende Stille, die jedem Lauts, jedem Geräusche eine besondere Präsenz ja so etwas wie eine Klang-Aura verliehen.

00:04:49: Andreas Knapp, katholische Ortenzmann und Autor schreibt in sein Wüstetagebuch, wenn ich lange einfach nur auf die Stille

00:04:59: höre.".

00:05:00: Dann ahne ich manchmal, dass die Stille nicht leer ist.

00:05:05: Sie isst ja kein Mangel an Geräuschen, sondern ein Zustand der Fülle!

00:05:11: Sie ist vielleicht der Nachklang eines großen Akkordes mit dem Gott seine Schöpfung ins Dasein gerufen hat?

00:05:21: Ja – Die Stille ist bewohnt von einem leisen Geheimnis.

00:05:26: In dieser Gegenwart kann ich bei mir… daheim sein.

00:05:33: Tatsächlich verändert die Wüste, die Selbstwahrnehmung – ich empfand mich wie ein tönernes Gefäß in dem Resonanzen entstanden, die sonst so nicht zugängig sind!

00:05:50: Die stillezupfte ungeahnte Seite an mir wach stimmte mich ein auf ein anderes Hören und

00:05:58: Wahrnehmen.".

00:06:01: In der Bibel ist der Wüste auch so ein großes Thema.

00:06:05: Sie ist sowas wie ein Hörraum für die Gottsuchern, das wird es Volk Israel.

00:06:12: In der Wüste lässt sich Gottes Stimme scheinbar deutlich erhören.

00:06:40: Hier spricht Gott durch den Donnbusch zu Mose, ergibt dem Volk Israel die zehn Gebote.

00:06:47: Der Prophet Elijah wird unter einem Ginsterbusch in der Wüsste in einer Depression durch einen Engel gestärkt und dann vierzig Tage durch die Wüsse zum Gottesberg geführt um dort im verschwebenden Säuseln des Windes zu einer tieferen Gotteserfahrung zukommen.

00:07:10: Im Evangelium treibt Jesus der Geist Gottes in eine vierzige, tägliche Wüstenzeit und dort bewährt er sich und gewinnt Klarheit für seinen Weg!

00:07:24: Und auch in der nachbiblichen Zeit bleibt die Wüste ein besonderer Ort der Gottesnähe – im vierten Jahrhundert gehen die Gottzucher wieder an die Wüsste.

00:07:35: Als die einst verfolgte und arme Köche durch den Zuwachs an Pristisch, Reichtum und Ansehen korrumpiert wird, lockt die Wüste mit ihrer Klarheit und Lauterkeit.

00:07:48: Die Wüstenväter und Mütter kommen in der Klarheit der Wüse zu Einsichten, die man in ihrer zeitlosen Weisheit heute noch als Inspiration für Therapie- und Psychologie feiert.

00:08:03: Der Trapistenmönch erregt Warten beschreibt den Gewinn der Gottzurer dort.

00:08:10: Wüste hieß für sie nicht nur Trockenheit und Hitze als Käse- und Verzicht, sondern vor allen Sinn und Fülle.

00:08:21: In der äußeren Wüstel ernten Sie ihren inneren Zwiespalt zu überwinden – und bei sich selbst zu wohnen.

00:08:29: Sie hörten auf, vor Gott und sich selbst davon zu

00:08:34: laufen.".

00:08:38: Im zwanzigsten Jahrhundert, vielleicht auch als Reaktion auf die moderne und die Industrialisierung kam es wieder zu einer Rückbesinnung auf das kreistliche Potenzial der Wüste.

00:08:52: Scharste Fokof Französischer Aristokrat, Offizier- und Gottsucher stand am Anfang dieser Bewegungen.

00:08:59: Er folgte dem Ruf der Wünste lässt sich in der algerischen Sahara als Einsiedler nieder.

00:09:05: Aber erst nach seinem gewaltsamen Tod ging die Saat seiner Hingabe auf und des entstanden Gemeinschaften, die seinem Beispiel folgten.

00:09:18: Carlo Carretto, katholischer Schriftsteller und Ordensmann der kleinen Brüder vom Evangelium, die zu dieser Saat gehören, folgte seinen Spuren und lebte zehn Jahre ebenfalls in der Allgerischen Wüste.

00:09:34: Er spricht von seiner Erfahrung her eine Einladung an uns aus, die diesem Podcast seinem Titel gibt.

00:09:44: in deinem geistlichen Leben.

00:10:08: Hier wird zugleich klar, mit Wüste ist nicht ein geografischer Ort gemeint sondern eine Zeit des Rückzugs ohne Einsamkeit.

00:10:18: Wir wollen uns nun die biblischen Begriffe für Wüsten etwas genauer ansehen weil das sehr erhellend ist.

00:10:27: Da begegnen uns das Zebräische Mitbar und das griechische Eremus.

00:10:35: Beide Begriffe können auch für Wildnis stehen.

00:10:39: Von daher können wir einen Rückzug in jeglicher Form von abgeschiedener Landschaft als ein Wüstenweg erfahren und so können wir auch Pilgererfahrungen als Wüstenerfahrung deuten.

00:10:54: Das griechische Eremus im Neuen Testament steht für einsam, unbewohnt Wüst, Öd- und Lea und daher sind Eremitten Menschen, die sich bewusst von der menschlichen Gesellschaft zurückziehen und in der Abgeschiedenheit zu leben.

00:11:11: Und noch heute kann man ja Errimitagen als Behausung von Einsiedlern aufsuchen – auch wenn der Begriff für Museen und kleine Schlösser etwas zweckentfremdet wurde.

00:11:25: In der Geschichte der Kirche waren es immer wieder Menschen, die entscheidende Impulse zur Erneuerung des Glaubens gaben.

00:11:38: So lebten Benedikt von Nursia und Franz von Assisi als Begründer der bedeutendsten Ordnstradition über längere Zeit in der Wüste, der Wildnis im Rückzug.

00:11:51: Dort suchten sie und fanden sie Klarheit für ihren Weg und reiften zu Menschen durch die Gott-in-die-Welt hindurchstrahlte.

00:12:02: Der Irrimit Nikolaus von der Flür Auch so eine ganz eigenartige Gestalt wurde als Friedenstifter und Bewahrer der Einheit der Schweiz sogar zum Nationalheiligen.

00:12:17: Man holte sich immer wieder Rat bei diesen in der Einsamkeit lebenden Menschen und Gottsuchern, aus der zurückgezogenen Stille der Eremos kam gerade zu weltverändernde Botschaften.

00:12:34: Etwas Erstaunliches begegnet uns im Hebräischen Wüstenbegriff mit Bar.

00:12:41: Er leitet sich vom Wortstamm Dava oder Deva ab, den wir in der Regel etwas verkürzt mit Wort übersetzen.

00:12:51: Er kann aber auch für ein Geschehen, ein Ereignis stehen.

00:12:55: Deva begegnete uns in der Bibel als das Wort, dass Gott spricht – als Wort Gottes, Devar Elohim oder Die war Adonai.

00:13:06: Diese Verwandtschaft von Wort und Wüste kann nun so gedeutet werden, dass die Wüse der Ort ist an dem Gott spricht, wo sich seine Gegenworte eignet und erfahrbar wird – also als sprechender Ort.

00:13:24: Für Carlo Caretto ist die Wüsste die Schule für den vertrauten Umgang mit Gott.

00:13:29: sie ist die grenzenlose stille Weite in der mein Gott dem absoluten begegnet und in der Wüste entdeckt der Mensch, dass Gott ein jemand ist.

00:13:41: Also ein Du!

00:13:44: Man kommt ins Gespräch.

00:13:47: In der Wüsstenstelle kannst du also offen für das Reden für die Präsenz Gottes

00:13:52: werden.".

00:13:53: So hat der Prophet Elia die Gegenwart Gottes im verschwebenden Säuseln im Windhauch gespürt.

00:14:03: Doch zuerst nimmst du die lärmenden Gedanken in dir wahr, die dich bedrängen und umtreiben.

00:14:09: Soher ging es auch den Wüstenvätern und Müttern, die mit ihren Dämonen und destruktiven Energien zu kämpfen hatten, die aus dem Unbewussten aufsteigen.

00:14:22: Zuerst irritiert dich die Stille, macht dir vielleicht sogar Angst bevor sie dich reinigt und ihr zur Labsaal werden kann!

00:14:33: In Wüstezeiten kannst du aus der Fülle deines überladenen Lebens in die reinigende Karkheit fliehen.

00:14:41: Du kannst nackt und bloß werden, und dich in all Deiner eigenen Bedürftigkeit und Armut eben ohne die üblichen Ausschmückungen gelanden bei Gott bergen.

00:14:55: Dort kann er dir deine Trugbilder- und Illusionen aus der Seele streichen.

00:14:59: Erkann Dich Erden im Staub?

00:15:02: Die Himmel'n in der Weite des Horizontes!

00:15:06: Andreas knapp schreibt in sein Wüstentagebuch, vielleicht muss ich selbst mehr Wüste werden.

00:15:14: Mich entleeren von allem was mich vollstopft und überfüllt wie Gedanken, Sorgen, Fantasien, Projekte – wenn mein Inneres nicht mehr von allem Möglichen zugestellt ist kann dort ein Weg entstehen auf dem Gott zu mir

00:15:31: kommt.".

00:15:35: Ja man könnte sagen Wüste ist geradezu eine geistliche Notwendigkeit.

00:15:43: Das erkennt, wer den Ruf Gottes in seinem Leben noch hört und ein Suchender bleibt.

00:15:50: Wenn wir nicht untergehen wollen in der Flut der Reize, Information und Manupilation brauchen wir etwas Wüst im Leben – Zeiten in Eremus dem ruhigen abgeschiedenen und einsamen Ort der uns wiederhörsam werden lässt.

00:16:10: Vielleicht hörst du keine konkreten Botschaften in den Eremos, keine Anweisungen für nächste Schritte aber….

00:16:18: Du kannst das große DU Gottes widerfinden!

00:16:23: Es geht also nicht darum sich wirklich unter Zächlichen eine Wüste zu begeben – auch wenn es für mich eine ganz wertvoll Erfahrung war.

00:16:32: Es geht vielmehr darum ein Stück Eremus ins eigene Leben zu

00:16:37: tragen.".

00:16:38: Es braucht ein Maß an Stille und Rückzug, an Reduktion und Einsamkeit.

00:16:45: Das kann sowohl Outdoor als Indoor sein.

00:16:51: Neben meinen geografischen Erfahrungen in der Sahara verbinde ich mit Wüste vor allem auch Pilgererfahrung – auch das sind so Zeiten der Reduktionen, der Stille des Physikseins.

00:17:08: Jährliche Wüsten-Erfahrungen sind für mich auch zehntägige, kontemplative Exerzitien im Schweigen.

00:17:16: Aber jeder kann da seine ganz eigene Form finden und daneben gibt es sicherlich noch die kleinen Wüstezeiten einen Wochenende in einem Einkehrhausen, einem Kloster eine lange Wanderung allein und ins Viehsprache mit der Natur und mit Gott aber auch Krankheiten so lässt sich uns schwer sie sein können Erweißen sich mitunter im Nachhinein als Wüstenzeiten, weil es Zeiten des Loslassens und der Karkheit – und manchmal ja sogar Zeiten des Wandels sind.

00:17:52: Seit Jahren ist auch die halbe Stunde am Morgen in der Stille vor Gott für mich zugleich Wüste als Auroase.

00:18:02: Vielleicht entdeckst du für dich noch ganz andere Weisen, Wüse zu erleben?

00:18:07: Und manche Wüster beginnt irgendwann zu blühen und wird dann zu einem Garten.

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