Geduld? – Einfach köstlich!

Shownotes

Da würde man wohl eher nicht drauf kommen, dass Geduld köstlich ist. Die Geschmacknuancen von Geduld hatte ich bisher nicht ergründet. Doch wie so oft verbirgt sich hinter dem etwas kryptischen Titel ein spannendes Erzählfeld.

Eine kleine rabbinische Geschichte: Einer klagt dem Rabbi sein Elend. "Gott wird dir helfen", sagt der Rabbi. "Ja, gut und schön", meint der Chassid, "aber was ist in der Wartezeit?" "Gott wird dir beim Warten helfen", sagt der Rabbi.

Im Jubiläumsjahr von Rainer Maria Rilke soll hier auch seine Stimme nicht fehlen: Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann, alles ist austragen – und dann gebären… Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch! Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos, still und weit…

Und zuletzt: Was mich an Bäumen fesselt, ist ihre Geduld. Sie lassen mich etwas erahnen von Gottes kosmischer Geduld

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00:00:23: Klosterflüstern!

00:00:25: Willkommen zum Podcast aus dem Kloster Drübeck.

00:00:29: Hier ist wieder Stefan Wohlfahrt und auch mit dieser Folge versuche ich anzuregen und neugierig zu machen auf das, was für mich christliches Beortalität spannend, heilsam und sinnstiftend macht.

00:00:42: heute Geduld einfach köstlich.

00:00:49: Ja, da würde man wohl eher nicht drauf kommen dass Geduld köstlich ist.

00:00:54: Die Geschmacksnurrangsten von Geduld hatte ich bisher noch nicht ergründet.

00:00:58: doch wie so oft verbirgt sich hinter dem etwas kryptischen Titel ein... ...wie ich finde spannendes Erzähl fällt.

00:01:05: Ich werde darauf zurückkommen.

00:01:08: Nicht nur für mich ist Geduld ein relevantes Thema Doch ich fange mal bei mir an.

00:01:15: Neulich hatte ich es besonders eilig mit meinem Fahrrad zum Kloster zu fahren, da wo ich er arbeite.

00:01:22: Ich musste durch eine Gasse, wo gerade jemand versuchte sein Auto zu wenden und gefühlt da wurde das eine Ewigkeit.

00:01:31: und besonders geschickt stellte sich der Fahrer nach meinem dafürhalten auch nicht an.

00:01:37: Irgendwann riss mir der Geduldsfaden und ich schlängelde mich ganz knapp an der Kühlerhaube vorbei.

00:01:45: Ein zorniges Danke auch, halte mir hinterher.

00:01:51: Ups!

00:01:52: Da hatte ich jetzt jemanden richtig verärgert mit meiner Ungeduld.

00:01:59: Mich haben schon oft Menschen mit ihrer Ungedull verärgert doch dachte ich fange mal an wo ich nicht auf andere zeige.

00:02:11: Meine KI hat mir verraten.

00:02:13: ungeduld versetzt den Körper in eine ständige Kampf- oder Fluchtbereitschaft, das erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankung.

00:02:26: Sie führt schneller zu Unzufriedenheit in ihrer Unruhe und auf Dauer zu einem Burnout.

00:02:31: Ungeduldige Menschen können schlechter mit unvorhergesehenem Krisen umgehen, dass sie sofort eine Lösung erzwingen

00:02:38: wollen.".

00:02:40: Erinnert mich ein Stück auch an die Politik und die Zwängen und Ungedulte ich da spüre.

00:02:49: Mir fiel noch etwas ein.

00:02:51: Wer keine Geduld hat, hört anderen nicht mehr richtig zu.

00:02:56: Übergeht die Bedürfnisse von Partnern, Kindern und Kollegen?

00:03:02: Ungeduld führt zu Fehlern, zu verhängnisvollen Entscheidungen.

00:03:09: Und belastet unsere Beziehungsfähigkeit massiv.

00:03:14: Klingt alles gar nicht gut, also dann doch besser geduldig sein!

00:03:19: Klar ist Geduld an sich gut, aber eine beliebte Disziplin ist es nur wirklich nicht gerade.

00:03:27: Da muss ich mich ja ganz schön am Riemen reißen, mich regelrecht zwingen!

00:03:34: Ja und jetzt komme ich nochmal mit dem Titel der Folge um die Ecke.

00:03:38: Geduld einfach köstlich.

00:03:42: klingt wie vom anderen Stern.

00:03:43: wer kommt denn auf sowas?

00:03:47: Ich habe das in der Bibel gefunden.

00:03:49: wieso oft?

00:03:50: Die bürstet uns gern mal gegen den Strich, da heißt es in den Klageliedern ihre Mias.

00:03:56: Es ist ein köstlich Ding geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn zu

00:04:02: hoffen.".

00:04:04: Man kann das auch anders aus dem Hebräischen übersetzen aber Luther hat sich wohl als intuitiver Sprachkünstler was beigedacht und da bleibe ich gerne dabei.

00:04:15: Ja warum ist es köstlich Geduldig zu sein?

00:04:22: Also erst mal unter Drücke oder Zügle ich bloß und Geduld ist es bestimmt nicht köstlich oder schön.

00:04:32: Damit verbinde ich ziemlich viel Anspannung, das tut ja auch nicht gut!

00:04:37: Die Geduld die hier gemeint ist verbindet sich mit bestimmten Fähigkeiten und Haltung.

00:04:44: Einmal die Einsicht zu vertrauen Dinge brauchen ihre Zeit Gottes mühlen laufen langsam aber stetig und dann die Geduld loszulassen.

00:04:58: Ich muss es jetzt nicht auf die Schnelle reißen, es darf dauern.

00:05:02: auch bei anderen Auch in der Politik im Weltgeschehen hat alles seine Zeit und Dauer.

00:05:12: Das Vertrauen ist zuerst eine Haltung aber du kannst sie auch ein Stück Einüben einspüren.

00:05:20: das Loslassen können ist eher eine Haltungsübung.

00:05:23: ich muss es immer wieder üben, damit mich die überall lauernde Ungeduld nicht einholt.

00:05:32: Wir helfen dabei Zeiten am Tag in denen ich bewusst runterschalte.

00:05:35: Ich stelle mich den Tag über gern mal einfach für ein paar Minuten in meinen Garten vertiefe mich in den Anblick der Pflanzen ins Wachstum, Lausche auf Vogel stimmen spüre mein Atem und was mit meinem Leib was ich mit meinem Leib an windwärme Sonne regen und was da noch so ist wahrnehmen kann.

00:06:00: Mein Atem ist auch ein wunderbares Instrument um mich runterzuschalten, bewusst atmen, mich in mir selbst drückbinden meine Mitte finden statt außer mir zu sein.

00:06:12: Bis hierhin habe ich das alles ohne einen Gott eine Religion ein Glauben beschrieben.

00:06:18: es gibt ja genug Ratgeber die einem das auf der Erde auf der Ebene von Psychologie und Selbstfürsorge erklären und anleiten können.

00:06:28: Für mich, und das ist jetzt natürlich sehr subjektiv aber auch ein Stück kollektiv weil viele anderen es auch so erfahren also für mich ist das aber nochmal wie einen ja ich möchte sagen wie ein Booster dass ich oder ein Verstärker dass sich in solchen Momenten zu Gott hin loslassen kann Also nicht ins Nichts sondern in einem Raum von angenommen sein, Licht und Geborgenheit.

00:06:56: Und dass ich mich in das Vertrauen fallen lassen kann!

00:06:59: Ich bin in Gottes Hand, ein Kind Gottes erträgt mich mit seiner unendlichen Geduld.

00:07:09: Auch wenn ich in meinem Garten stehe als Raum der Schöpfung verbinde, ich mich wie das Rilke so schön dichtet mit der flugbereiten Güte die mich umgibt.

00:07:23: Ich lasse mich los, auf Gott hin vertraue dass ich und diese Welt gehalten bin und auf ein Ziel zu gehe.

00:07:32: Am tiefsten spüre ich dieses Loslassen und Vertrauen in der Praxis des Herzensgebetes wo ich über Leibatem- und Beziehungswort mit dem Quellgrund des Lebens verbinde.

00:07:47: also ich will jetzt in keiner Weise behaupten das man Christ oder gläubig sein muss, um Geduld zu lernen und so haben.

00:07:56: Wir begegnen manchmal auch sehr gläumige und zugleich sehr ungeduldige Menschen.

00:08:03: Aber die mit dem Glauben verbundenes Pyrothalität bringt da noch eine Dimension – ja ich möchte es nennen – eine Qualität von Verbundenheit und Vertrauen hinein, die meiner Geduld Flügel verleiht, ganz und gar loszulassen oder besser mich zu überlassen.

00:08:27: Und genau hier kommt für mich das köstliche der Geduld ins Spiel.

00:08:32: Geduld schafft einen Freiraum, in dem etwas geschehen kann.

00:08:37: Das Worten ist dann nicht vertane Zeit sondern bietet Möglichkeiten, mich zurückzubinden im Vertrauen zu sein, mich in diesem Raum aufzuhalten.

00:08:48: Die Geduld öffnet den Blick und macht mich empfänglich für die Köstlichkeiten auf meinem Weg.

00:08:55: Der Ungeduldige übersieht, will schnell erreichen Beschleunigen abhaken Zum Genießen ist da keine Zeit.

00:09:03: Ein gutes Essen schmeckt ja auch dann am besten wenn ich mir Zeit lassen kann zum Kauen zum Nachschmecken genießen.

00:09:12: Geduldig sein heißt Empfänglicheben den Zwischenraum aufzuspüren, darin zu verweilen und vom Leben berührt zu werden da wo ich sonst gar nicht erwartet sind würde.

00:09:27: Der Geduldige muss es nicht machen er kann das kommen lassen ist eingestimmt so wie im Advent die Zeit Einstimmung auf Weihnachten ist wenn man sie nicht mit hastigen Schritten überspringt oder abwarten in der Schlange In der Bahn.

00:09:52: dieses Abwarten, diesen Raum füllen mit Neugier und Offenheit statt mit Ungeduld und Ärger oder auch mit Stille, mit Gebet, mit Verbundenheit.

00:10:06: Die Fahrt mit der Straßenbahn als freie Zeit zum Nachdenken und Ausruhen nutzen – in Gesprächen vor einer schnellen Entgegnung kurz überlegen.

00:10:18: ist es vielleicht besser?

00:10:20: Zu warten, zu schweigen dem anderen mehr Raum zu geben.

00:10:26: Zehn Sekunden nach jeder E-Mail zwischen zwei Telefonaten und was da so alles ist aufatmen durchatmen loslassen ich neu einstellen eine Kultur der Pausen der Langsamkeit und des Nachschauens pflegen.

00:10:42: vielleicht passieren dort gerade die wesentliche Dinge.

00:10:47: ja tatsächlich es ist dein köstlich Ding.

00:10:53: Geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen.

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